Umfrage zur Unterrichtsversorgung an Schulen in den Landkreisen Reutlingen und Zollernalb

 

1. Motivation und Untersuchungsdesign

Eine ausreichende personelle „Ausstattung“ an den Schulen ist eine wesentliche Grundlage für ein gutes Bildungsangebot. In jüngster Zeit mehren sich Klagen über Unterrichtsausfall und fehlende Krankheitsvertretungen (KV). Dies legt die Vermutung nahe, dass vor Ort von den durch das Kultusministerium angekündeten Mittelaufstockungen für Krankheitsvertretungen kaum etwas ankommt. Kultusministerin Gabriele Warminski-­‐Leitheußer hatte in einer Pressemitteilung vom 25.April 2012 verlauten lassen, als Sofortmaßnahme 2,5 Millionen bereit zu stellen, um unter anderem im Regierungsbezirk Tübingen mehr Vertretungen für Lehrkräfte einzustellen, die den Schulen durch Krankheit, Mutterschutz oder Erziehungsurlaub längerfristig nicht zur Verfügung stehen.

Nur auf der Basis von Zahlen und Informationen über den tatsächlichen Unterrichtsausfall und die KV-­Situation kann von Seiten der Schulen das offenkundig bestehende Problem bezüglich der Unterrichtsversorgung effektiv angegangen werden. In einer parlamentarischen Anfrage hat FDP/DVP-­Landtagsfraktion daher bereits im Oktober 2011 die Landesregierung aufgefordert, detailliert Auskunft über den Unterrichtsausfall in Baden-­‐Württemberg seit Beginn des laufenden Schuljahres 2011/12 zu erteilen. Die Landesregierung verweigerte diese Aussage mit einem schlichten Verweis auf fehlende Ressourcen zur Erhebung der Daten. Eine Möglichkeit, einen Einblick in die aktuelle Situation der Unterrichtsversorgung zu erhalten, war daher ein aktives Abfragen des tatsächlichen Unterrichtsausfalls direkt bei den Schulen. Dies geschah in einem regional begrenzten Bereich: in den beiden Landkreisen Reutlingen und Zollernalb. Dort befinden sich 190 staatliche Schulen. Weitere Umfragen in anderen Teilen Baden-­‐Württembergs nach diesem Beispiel sind denkbar, um die Datenbasis zu vergrößern.

Zentrale Fragstellungen:

Wie viel Unterrichtsstunden fallen in Relation zum regulär zu haltenden Unterricht aus?

Welche Gründe gibt es für diesen Ausfall, insbesondere: Sind die Ausfälle darauf zurückzuführen, dass von Seiten der Schulbehörden nicht genügend Mittel für Krankheits-, Mutterschutz-­ sowie Elternzeitvertretungen zur Verfügung gestellt werden?

Den Schulleitern wurde versichert, dass die von Ihnen getätigten Aussagen bzw. die angegeben Zahlen zum Unterrichtsausfall vertraulich behandelt werden. Durch die Rücksendung des Antwortformulars auf dem Postweg konnten Schulen des Weiteren ohne möglichen Rückschluss auf den Absender an der Umfrage teilnehmen. Bei Zitaten aus den Antworten, welche zur Illustrierung in der Auswertung angebracht werden, wird der Urheber nicht genannt.

Um die Höhe des Unterrichtsausfalls zu ermitteln, wurden die Schulleiterinnen und Schulleiter gebeten, auf einem Antwortbogen sowohl die regulär zu haltenden als auch die tatsächlich entfallenen Unterrichtsstunden am Stichtag (14.Juni 2012) zu notieren. Die Relation aus der Gesamtstundenzahl und den entfallenen Unterrichtsstunden ergab die Ausfallquote.

Des Weiteren sollte erfragt werden, ob die Ursache dieses bezifferten Ausfalls darin zu suchen ist, dass seitens der Schulbehörden nicht genügend Mittel, in Form von Lehrerwochenstunden oder Krankheitsvertretungen zur Verfügung gestellt werden. Diese Frage konnten die Schulleiter per Ankreuzverfahren mit Ja oder Nein beantworten.

Da darüber hinaus ein Interesse bestand, Hintergründe zu den genannten Fakten (Beispiele, Einschätzungen etc.) zu erhalten, wurden die Schulleiter auf dem Antwortbogen dazu ermuntert, ergänzende Bemerkungen zu machen.

 

2. Analyse

Von den 190 in den Landkreisen Reutlingen und Zollernalb befindlichen staatlichen Schulen aller Schularten, die allesamt mit gleich lautendem Brief (s. Anlage) angeschrieben wurden, erhielten wir 48 Antworten, was einer Rücklaufquote von 25,26 Prozent entspricht.

Vier Schulleiter verwiesen zur Beantwortung von Fragen zum Unterrichtsausfall an das zuständige Schulamt bzw. das Regierungspräsidium Tübingen. 39 Schulen haben den der Anfrage beigefügten Antwortbogen ausgefüllt zurückgesendet und Zahlenangaben zu ausgefallenen Stunden und zur Frage nach dem Grund des Stundenausfalls gemacht. Fünf Schulen haben statt des Antwortbogens einen Brief bzw. eine Email mit Informationen zur Unterrichtsversorgung an Ihrer Schule gesendet.

Auffällig ist, dass die überwiegende Mehrheit der Schulleiter, welche den Antwortbogen ausgefüllt zurückgeschickt haben, auch gleichzeitig der Bitte nachgekommen sind, ergänzende Informationen zu ihren Angaben zu geben, nämlich 30 von 39. Dies entspricht (zusammen mit den Antworten, die ausschließlich in Brief-­‐ oder Email gegeben wurden) einem Anteil von knapp 80 Prozent.

Mit einem Rücklauf von gut 25 Prozent, aber auch durch die Bereitschaft vieler Schulleiter, über die reinen Zahlen hinaus Hintergrundinformationen bereitzustellen, darf die Umfrage als Erfolg verstanden werden. Erstens ist daraus zu folgern, dass viele Schulleiter das Bedürfnis hatten, von den Schwierigkeiten mit der KV-­Praxis vor Ort zu berichten und sich Verbesserungen für den Schulalltag wünschen. Zweitens kann die Politik nur dann unterstützend handeln und die konkreten Probleme aufgreifen, wenn sie sie kennt. Damit ist ein wesentliches Ziel der Umfrage erreicht.

Addiert aus den Angaben der an der Umfrage teilnehmenden Schulen ergeben sich folgende Zahlen über den Unterrichtsausfall am Stichtag:

Reguläre Stunden am 14.Juni 2012: 3462,5 Entfallene Stunden: 123

Hieraus ergibt sich in der Relation zwischen regulären und entfallenen Stunden am Stichtag 3,55 % entfallener Unterricht.
Auf die Frage, ob es an den Schulen Ausfälle oder Engpässe gibt, die darauf zurückzuführen sind, dass nicht genügend Mittel oder Lehrerwochenstunden zur Verfügung gestellt werden, antworteten auf dem Antwortbogen 21 Schulleiter mit Nein. 18 Schulleiter antworteten mit Ja. Dies entspricht einem Anteil von 46,15 Prozent.

Die Zahlen sprechen dafür, dass die Schulen es schaffen, drohenden Unterrichtsausfall eigenständig durch verschiedene interne Maßnahmen zu einem hohen Prozentsatz aufzufangen. Das bestätigten viele Schulleiter explizit. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zum Teil große Probleme an Schulen gibt, Ausfälle von Kolleginnen und Kollegen zu kompensieren.

Ein zusätzliches Problem der Statistik und daher wichtig für die Interpretation der gewonnen Daten ist, dass das Regierungspräsidium laut Aussage eines Schulleiters offenbar die ausgefallenen Stunden nur dann als tatsächlich ausgefallen verbucht, wenn die Kinder nach Hause geschickt werden, was jedoch nach Möglichkeit zu vermeiden sei.

Zur Auswahl des Stichtags: Es gab einige Rückmeldungen, aus denen hervorgeht, dass der Stichtag ungeeignet sei, da er kein realistisches Bild über den Unterrichtsausfall abgebe: Aufgrund der Abschlussprüfungen war am 14.Juni 2012 insbesondere an Realschulen unterrichtsfrei. Das bedeutet, dass relativ viele Lehrer zur Verfügung standen, die Vertretungen für erkrankte Kollegen übernehmen konnten. Es besteht daher der Grund zur Annahme, dass dieser Umstand zu einer geringeren Ausfallquote als an einem „Durchschnittstag“ führte.


3. Auswertung der zusätzlichen Informationen

Im folgenden sollen die zusätzlich abgegebenen Kommentare der Schulen eingeordnet und ausgewertet werden. Die Kommentare (kursiv) sind wörtlich, aber anonymisiert wiedergegeben.

Allgemeine Einschätzung der KV-­‐Situation

Die allgemeine KV-­Situation wird im Vergleich zum Schuljahr 2010/11 im Schuljahr 2011/12 eher schlechter eingeschätzt: „Die Grundkrankenreserve ist viel zu gering. Sie genügt noch nicht einmal für den Ausgleich von Schullandheimen, Ausflügen etc. (...) Wir sind chronisch unterbesetzt!!! Es sind KV vor Ort und viel mehr KV am Schulamt nötig. Die Situation dieses Jahr ist noch viel schlechter als in den Jahren zuvor.“ Ein weiteres Beispiel: „Seit dem 25.5.2012 fehlt der Schule krankheitsbedingt bis mindestens Ende des Schuljahres ein ganzes Deputat (26 Wochen-­‐Std.). Keine einzige dieser Stunden wird durch eine KV ersetzt!“

Viele Schulleiter berichteten, dass insbesondere seit April 2012 viele befristete KV-­Arbeitsverträge nicht verlängert worden seien. Offenbar war ab jenem Zeitpunkt das Geld für diese KV-­‐Stellen verbraucht: „Im ersten Halbjahr beantragte ich die Zahlung von Mehrarbeitsstunden, die ich erhielt. In der Schulleiterbesprechung wurden wir informiert, dass hierfür kein Geld mehr zur Verfügung stehe.“

Ein weiteres Problem besteht offensichtlich darin, dass Schulen teilweise keine Kapazitäten haben, um auf kurzfristige Ausfälle zu reagieren, weil KV-­Lehrkräfte aufgrund andere, längerfristiger Ausfälle bereits fest eingeplant werden müssen: „Unser Krankheitstellvertreter (20 Wochenstunden) steht für kurzfristige Einsätze nicht zur Verfügung, da er seit 6 Monaten fest eingesetzt werden musste.“ Besonders drastisch sei die Situation, wenn jahreszeitlich bedingt viele Kollegen erkrankten: “Im Herbst/ Winter bei vermehrtem grippalen Aufkommen reicht die interne Ressource nicht aus. Es muss Unterricht ausfallen.“

Die Umfrage ergab, dass kleine Schulen (dies sind erfahrungsgemäß oft Schulen im ländlichen Raum, in unserer Umfrage insbesondere Grundschulen im ländlichen Raum) in Bezug auf die KV‐Situation benachteiligt sind. Sie sind personell „auf Kante genäht“. Sobald auch nur eine Lehrkraft ausfällt, muss intern zum Teil massiv (mit Überstunden etc.) aufgefangen werden. Ein Schulleiter berichtet: „Vom 10.01 bis zu 20.4. 2012 ist an unsere Schule wegen Krankheit eine Klassenlehrerin mit 18 Wochenstunden ausgefallen. 3 Wochen lang musste die Schule diesen Unterrichtsausfall ohne jegliche Vertretungen bewältigen. Das ist für eine kleine Schule eine harte Nuss. Alle müssen regelmäßig Mehrarbeit leisten.“

Zitat eines Schulleiters: „Als ausgefallen gelten [nach Lesart der Schulverwaltung; Anm.] nur diejenigen Stunden, in denen die Kinder nach Hause geschickt werden.“

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Belastung der Lehrkräfte

Drohenden Unterrichtsausfall durch erkrankte Lehrer regeln die Schulen intern. Krankheitsvertretungen werden dabei nur zu einem Teil gestellt. Bis Unterricht tatsächlich ausfällt, das bedeutet, die Schüler nach Hause geschickt werden, greifen schulintern zahlreiche „Kompensationsmechanismen“: Mehrarbeit, Überstunden, Klassenzusammenlegungen usw.

Dies bedeutet eine erhöhte Belastung der Lehrkräfte, gesundheitlich wie psychisch: „All das stellt im Übrigen eine immense Belastung der Kollegen dar: von dem in diesem Jahr durch Mutterschutz/ Krankheit etc. ausgefallenen Stunden konnten nur ca. 40% durch Krankheitsvertretung ersetzt werden, der Rest musste mit Bordmitteln aufgefangen werden.“

Im Extremfall wird trotz Krankheit unterrichtet oder die notwendige Rekonvaleszenzzeit nicht in Anspruch genommen, um die Kollegen nicht zu sehr zu belasten: „An unserer kleinen Schule mit 3-­‐4 Lehrkräften fiel bisher so gut wie kein Unterricht aus, da wir im Krankheitsfall (Erkältung) grundsätzlich immer unterrichten, da es für uns keine Vertretung gab. Längerfristige Krankheiten traten in den letzten Jahren zum Glück nicht auf.“ Ein Schulleiter berichtet über einen längerfristige ausgefallenen Kollegen und eine nicht verlängerte KV-­Stelle für ihn. Aufgrund drohenden Unterrichtsausfalls kam der Kollege früher wieder an die Schule: „(...) Da die Erkrankte Lehrkraft jedoch auf ihren Rekonvaleszenzaufenthalt verzichtete, (aus meiner Fürsorgepflicht kritisch gesehen), war die Versorgung wieder sichergestellt.(..) Diese Situationen sind nicht neu, verursachen hohen Druck auf das Personal aus der Verantwortung für die Kinder, ja nicht krank sein zu dürfen.“

Aus einigen Antworten von Schulleitern ergibt sich explizit oder implizit, dass sie sich allein gelassen fühlen: „Die Selbstorganisation frustriert, auch die Absagen [der Schulverwaltung bei KV, Anm.]. Die Kollegen samt Schulleitung machen MAU oder legen Klassen zusammen, um die Fehlzeit der Kollegen zu überbrücken.“

Die Schulverwaltung erwartet interne Regelungen, die Schulen müssen mit den Mitteln „haushalten“. Umso bemerkenswerter sind daher die einfallsreichen, aber auch belastenden schulinternen Maßnahmen zur Verhinderung von Unterrichtsausfall. Schulleitungsteams erbringen hier logistische Höchstleistungen.

 

Nachteile für Schüler

Aus einer mangelhaften KV-Situation ergeben sich auch direkte Nachteile für Schüler. Zunächst ist zu bemerken, dass entfallener Unterricht in der Regel nicht wieder aufgeholt wird. Darüber hinaus ist die Qualität regulären Unterrichts nicht mit einer Betreuung durch eine Vertretung vergleichbar: „Grundsätzlich ist zu sagen, dass an unserer Schule zwar formal wenig Unterricht ausfällt, weil wir die Kinder möglichst wenig nach Hause schicken. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Kinder den ihnen zustehenden Unterricht in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Sie werden vielmehr in anderen Klassen mitbetreut, von ihnen wenig bekannten Lehrern stundenweise unterrichtet.“

Oft führt eine fehlende Krankheitsvertretung dazu, dass sich die Betreuung derjenigen Kinder verschlechtert, die einen erhöhten Förderbedarf haben. Hier ein Beispiel aus einer Förderschule: „Die Lehrerversorgung im Schuljahr 2011/12 war zu Beginn sehr gut. Seit Juni 2012 sieht das anders aus. Der KV-­‐Kollegin wurde ihr Vertrag nicht verlängert, da keine Gelder mehr zur Verfügung stehen. Bei uns als Ganztagesschule fällt bislang kein Unterricht aus, u.U. werden Klassen aufgelöst und die Schüler auf andere Klassen aufgeteilt oder bestehende Doppelbesetzungen fallen weg. Dies bedeutet aber, keinen individuell abgestimmten Förderaspekt mehr für die Schüler bedienen zu können (zu große Klassen).“

Zu Lasten der Schüler geht es auch dann, wenn die Schulen keine zusätzlichen Angebote für Schüler mehr machen können, beispielsweise AGs oder besondere Projekte, die über den so genannte „Ergänzungsbereich“ laufen: „Die Schulen wurden auf der SL-­Dienstbesprechung am 14.5. in Pliezhausen (...) angehalten, zunächst nur den Pflichtbereich zu planen und den Ergänzungsbereich für KV-­Reserve vorzusehen. Gerade der Ergänzungsbereich macht aber an Schulen das oft über viele Jahre und mit viel Engagement und Arbeitsaufwand entwickelte Schulprofil aus.“ Ein anderer Schulleiter berichtet: „Probleme gab es zu Beginn des Schuljahres, als eine längerfristige Erkrankung eines Kollegen mit vollem Deputats schulintern aufgefangen werden musste. Dies war nur möglich durch Streichung des kompletten Ergänzungsbereichs, Klassenzusammenlegung und Überstunden.“ Langjährig erarbeitete pädagogische Konzepte, spezielle Schulprofile und Fördermaßnahmen bleiben durch fehlende Mittel „auf der Strecke“.

 

Aussichten für das Schuljahr 2012/13

Sehr häufig gingen die Schulleiter in der Umfrage auch auf die Aussichten für das Schuljahr 2012/13 ein. Diese Aussichten wurden durchweg schlecht eingeschätzt. Aus den Aussagen der Schulleiter spricht Besorgnis. Die Kommentare lauteten unter anderem:

„Die Aussichten für das kommende Schuljahr sind, angesichts der Ankündigungen, nur den Pflichtbereich zu versorgen, nur mit bitterer Ironie zu ertragen, da langjährig erarbeitete erfolgreiche pädagogische Konzepte und Schulprofile dabei keine Rolle zu spielen scheinen. Wo bleiben Stütz-­‐ und Fördermaßnahmen, Sprachförderung, Differenzierung, Ganztagesschule, etc.? PISA lässt grüßen.“
„Mit großer Sorge sehe wir deshalb dem neuen Schuljahr entgegen. Von unserem Schulamt wurden wir darüber informiert, dass für KV, Mutterschutz und Erziehungszeit-­‐Arbeitsverträge im kommenden Schuljahr wohl keine Mittel zur Verfügung stünden.“
„Im kommenden Schuljahr droht Unterversorgung!“
„Ungewiss ist bei uns die Versorgung für das nächste Schuljahr.“

Dabei bedenken die Schulleiter in Verantwortung für ihre Mitarbeiter das strukturelle Defizit („Bugwellen“), das sich aus angehäufter Mehrarbeit ergibt: „Fast alle Lehrkräfte dieser Schule leisten Vorarbeit um den Stundenausfall in Grenzen zu halten. Diese müssen ja irgendwann wieder eingelöst werden.“

Von einer anderen Schule wird berichtet: „Im Übrigen sind an unserer Schule etwas mehr als 65 Lehrkräfte im Einsatz. Wir tragen eine Bugwelle von 220 Stunden (11 Lehrkräfte) vor und haben zum Schuljahreswechsel einen aktuellen Bedarf von 4 Lehrkräften (Altersabgänge). Dies entspricht einer personellen Unterversorgung von 15 Lehrkräften.“

 

4. Fazit

Probleme zu kennen und sie bestenfalls quantifizieren zu können, ist Grundvoraussetzung für ihre Lösung. Die vorliegende Umfrage und ihre Ergebnisse folgen daraus, dass die Landesregierung im Herbst 2011 der Bitte der FDP/DVP-­‐Fraktion nach Auskunft zur Unterrichtsversorgung in den vier Regierungsbezirken Baden-­‐Württembergs nicht nachkam. Offenkundig bestehen jedoch im Schuljahr 2011/12 erhebliche Probleme in der Praxis der Krankheitsvertretungen, was sich negativ auf die Unterrichtsversorgung und damit auf die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen auswirkt. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen:

  1. Großes Interesse an der Umfrage, insbesondere zur Angabe von Hintergrundinformationen zur konkreten Situation an der Schule
  2. In die Ausfallquote ist einzubeziehen, dass es vor einem tatsächlichen Ausfall einer Schulstunde massiven Aufwand seitens der Schulleitung gibt, dieses zu verhindern.
  3. Fast die Hälfte der Schulleiter sieht den Grund für Engpässe in der Unterrichtsversorgung bzw. für den Ausfall von Unterricht darin, dass sie nicht genügend Mittel in Form von Lehrerwochenstunden oder Krankheitsvertretungen zur Verfügung gestellt bekommt
  4. Gegen Ende des Schuljahres 2011/12 ging das Geld für Krankheitsvertretungs-­‐Verträge aus, diese wurden nicht mehr verlängert.
  5. Kleinere Schulen (gerade im ländlichen Raum) sind durch fehlende Mittel in besonders hohem Maße betroffen
  6. Schulen sind gezwungen, Ausfälle intern mit Engagement und logistischem Aufwand, aber auch Mehrarbeit, aufzufangen. Dies führt zu einer erhöhten Belastung der Lehrkräfte. Viele Schulleiter fühlen sich hier im Stich gelassen
  7. Nicht zur Verfügung gestellte Mittel für KV führen zum Kürzen oder Streichen des Ergänzungsbereichs
  8. Stehen keine geeigneten Vertretungslehrer zur Verfügung, leidet die Qualität des Unterrichts: Unterricht oder nur Betreuung?
  9. Massive Bedenken der Schulleiter für das Schuljahr 2012/13 bezüglich der Unterrichtsversorgung

Ein wichtiges Ergebnis der Umfrage ist, die Mechanismen zu verstehen und darzustellen, die schulintern ablaufen, um die Unterrichtsversorgung zu gewährleisten. Eine Unterrichtsausfallquote von 3,5 Prozent ist die „Spitze des Eisbergs“, ist also nicht der eigentliche Indikator dafür, wie schwerwiegend das Problem ist. Schulleitungsteams leisten Bemerkenswertes, indem sie versuchen, gute Bildungsangebote zu machen und fehlende Mittel oder KV-­Verträge zu kompensieren. Viel Einsatzbereitschaft, Ideen und Herzblut sind dabei, viel zu oft aber auch Frust – das Gefühl, bei all dem pädagogischen Engagement für die Schüler im Regen stehen gelassen zu werden.

 

5. Anlagen

Text des Anschreibens an die Schulleiter

Unterrichtsausfall und Krankheitsvertretungen in den Landkreisen Zollernalb und Reutlingen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Kultusministerin Gabriele Warminski-­‐Leitheußer ließ in einer Pressemitteilung vom 25.April 2012 verlauten, als Sofortmaßnahme 2,5 Millionen bereit zu stellen, um unter anderem im Regierungsbezirk Tübingen mehr Vertretungen für Lehrkräfte einzustellen, die den Schulen durch Krankheit, Mutterschutz oder Erziehungsurlaub längerfristig nicht zur Verfügung stehen.

In jüngster Zeit werden vermehrt Klagen über Unterrichtsausfall und fehlende Vertretungen an mich herangetragen. Dies legt die Vermutung nahe, dass vor Ort von den angekündigten Mitteln nichts ankommt. Eine solche Entwicklung sehe ich mit großer Sorge. Mir liegt es wie Ihnen am Herzen, unseren Kindern bestmögliche Bildungschancen zu bieten. Die dafür notwendige personelle „Ausstattung“ ist eine wesentliche Grundlage dafür.

In einer parlamentarischen Anfrage haben wir als FDP/DVP-­‐Fraktion bereits im Oktober 2011 die Landesregierung aufgefordert, detailliert Auskunft über den Unterrichtsausfall in Baden-­‐Württemberg seit Beginn des laufenden Schuljahres 2011/12 zu erteilen. Die Landesregierung verweigerte diese Aussage mit einem schlichten Verweis auf fehlende Ressourcen zur Erhebung der Daten.

Mich interessiert, wie Sie vor Ort die Situation der Lehrer-­‐ und Unterrichtsversorgung einschätzen, ob und, wenn ja, welche Probleme Sie aus eigener Erfahrung aktuell sehen. Ganz konkret geht es mir darum, zu erfahren, wie hoch der Unterrichtsausfall an Ihrer Schule ist und ob er darauf zurückzuführen ist, dass nicht genügend Mittel oder Lehrerwochenstunden zur Verfügung gestellt werden. Um die Daten der Schulen in den Landkreisen Zollernalb und Reutlingen einordnen zu können, möchte ich exemplarisch einen Schultag – Donnerstag, den 14.Juni 2012 -­‐ herausgreifen.

Über eine Rückmeldung auf beiliegendem Antwortformular freue ich mich. Von welchen Schulen die Informationen kommen, wird selbstverständlich vertraulich behandelt. Für ein Gespräch stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen Andreas Glück


Fragebogen

Gesamtzahl der regulären Unterrichtsstunden am Donnerstag, den 14.Juni 2012 : _______

Anzahl der entfallenen Unterrichtsstunden am Donnerstag, den 14.Juni 2012: _______

Gibt es an Ihrer Schule bei der Vertretung von Unterricht Engpässe oder Ausfälle, die darauf zurückzuführen sind, dass nicht genügend Mittel oder Lehrerwochenstunden zur Verfügung gestellt werden?

Ja □

Nein □

Wenn ja, wären wir Ihnen über eine erläuternde Darstellung, z.B. anhand von Beispielen, dankbar. Sollte der Platz auf diesem Formular nicht ausreichen, ist ein gesondertes Begleitschreiben herzlich willkommen.

 

 

Termine

F E B R U A R  2 0 1 6

 

23. Februar

A. Glück bei der Podiumsdiskussion des GEA (19 Uhr, Brühlhalle in Sonnenbühl-Genkingen)

 

24. Februar

Brunch zwischen Krabbenbrötchen und Butterbrezel mit Wolfgang Kubicki und Andreas Glück (10:45 Uhr, Becka Beck "Café Schmatzkischdle", Gewerbestr. 18, Münsingen)

Firmenbesuch bei Albgut (18 Uhr, Altes Lager Münsingen)

 

26. Februar

Veranstaltung mit Dr. Klaus Kinkel, Andreas Glück und Dirk Egger (18:30 Uhr, Stadthalle "Museum", Zollernstr. 2, Hechingen)

 

 

M Ä R Z   2 0 1 6


1. März

Veranstaltung zum Jagd- und Waffenrecht mit A. Glück (19:30 Uhr, Schützenhaus Dettingen/ Erms)

 

2. März

A. Glück am Infostand auf dem Markt in Hechingen (10 Uhr)

Firmenbesuch bei der Metzgerei Seiffert (18 Uhr, Oberdorf 15, Münsingen-Hundersingen)

 

6. März

Stammtisch des FDP OV Münsingen - Wahlwette mit A.Glück  (11 Uhr, Pizzeria "Da Toni", Honauerstr. 6, Großengstingen)

 

9. März

A. Glück am Infostand auf dem Markt in Hechingen (10 Uhr)

Großveranstaltung mit W. Kubicki, H.-U. Rülke und M. Theurer (17:30 Uhr, Stadthalle Reutlingen)

 

12. März

Wahlkampfabschluss-Veranstaltung (20 Uhr, Albstadion-Gaststätte, Römerstein-Böhringen)

 

13. März

Landtagswahl in Baden-Württemberg

 

14. März

Wahlanalyse und Auflösung der Wahlwette des FDP OV Münsingen (19 Uhr, Gasthaus "Zum Älbler", Münsingen)

 


>> weitere Veranstaltungen in der Übersicht